2704 1500                                                                                       54°40,9´N 008°45,1´E

Wir legen in Schlüttsiel an. Der Zielhafen. Das Ende der Reise nach 1.738 sm, umgerechnet 3.218 km auf dem Wasser. Danke Andreas, danke Peter, es war eine schöne Reise!


 

2704 1100                                                                                       54°21,4´N 008°17,5´E

Helgoland geht unter! So scheint es jedenfalls. Es ist superklare Luft, so dass wir Helgoland nicht im Dunst achteraus lassen, sondern die Erdkrümmung dafür sorgt, dass wir erst die Düne, dann das Unterland, das Oberland nicht mehr sehen und dass zum Schluss die zwei großen Antennen verschwinden. Erstaunlich übrigens, dass man die Antennen, obwohl doch so dünn, aus 16 sm, also fast 30 km Entfernung, immer noch sehen kann.  Und im Kühlschrank sieht man manchmal etwas nicht, was direkt vor der Nase steht …


 

2604 1900                                                                                       54°10,6´N 007°53,4´E

Wir haben in Helgoland angelegt. Eine merkwürdige Atmosphäre dort. Die Bäderschiffe sind weg, zwei abgefüllte Reisegruppen ersetzen angenehmes Auftreten durch trunkene Lautstärke. Ich gehe eine Kleinigkeit essen und gehe früh ins Bett: wir wollen morgen rechtzeitig starten.


 

2604 0630                                                                                       53°46,0´N 006°58,5´E

Es ist grau, es ist kalt. Die Dämmerung begann kurz nach 0500. Jetzt ist es hell, aber nicht wärmer geworden. Wohl so 2°, das wird jedenfalls für Den Helder im Wetterbericht gemeldet, was hier auch so passen könnte.

Links ist der Terschelling-Weg, die Zufahrt nach Wilhelmshaven, Bremerhaven, zum Nordostseekanal und Hamburg durch die Deutsche Bucht für die dicken Pötte. Sie sind nahebei zu sehen. Rechts liegt Juist, davon sehen wir aber nichts. In der Nacht war viel Fischereiverkehr, ganz besonders in der dafür vorgesehenen Plattfisch-Fischereizone. Wir mussten ziemlich aufpassen, denen nicht in die Quere zu kommen.


 

2504 1850                                                                                       53°29,0´N 005°28,7´E

Ein Rahsegler, Zweimaster, kommt uns unter vollen Segeln nahe. Drei dreieckige Vorsegel am vorderen Mast, eines am hinteren Mast, an jedem Mast zwei Rahsegel übereinander, hinten ein Gaffelsegel. Nur die beiden Topsegel sind nicht gesetzt. Es ist die Brigg „Morgenstern“. Hinter uns, genau im Glitzerlicht der tiefergehenden Sonne, wendet sie. Eine fast kitschige Inszenierung. Nein, einfach nur schön.


 

2504 1830                                                                                       53°28,1´N 005°27,0´E

Die Dünenlandschaft von Terschelling liegt in der Sonne. Der schicke Leuchtturm von Ameland (wie eine schlanke rot-weiß geringelte Socke sieht er aus), liegt voraus. Der Wind fächelt mit 3 Bft.

Der niederländische Zoll kommt mit einem schwarzen Schlauchboot angebraust. Zwei Mann kommen an Bord zur Routinekontrolle. Papiere und Durchsicht des Schiffes. Alles entspannt, Handschlag zur Begrüßung, Handschlag zur Verabschiedung.


 

2504 0900                                                                                       52°58,7´N 004°43,0´E

Wir sind noch nicht weit von der Hafeneinfahrt entfernt, da reckt ein erster Seehund seinen Kopf aus dem Wasser und beäugt uns. Etwas später ist Noorderhak, eine Sandbank, schwarz gesäumt. Alles Seehunde, die da im Sand liegen!


 

2404 1900                                                                                       52°57,9´N 004°47,2´E

Wir haben in Den Helder im KMJK, im Königlichen Marine Jacht Klub, angelegt. Den Helder ist der Stützpunkt der Holländischen Kriegsmarine. Die Marina befindet sich im militärischen Bereich. Geschäftiges Treiben, ein großes Schiff kommt rein, Kampftaucher fahren mit ihren schnellen Schlauchbooten herum, Lautsprecher-Stimmen sind von den großen Schiffen zu hören. Eine andere Atmosphäre als in zivilen Häfen, eine andere Geschäftigkeit, die mir auch schon in Kiel aufgefallen ist.

Auf dem Weg zum Einkauf plötzlich links ein großes U-Boot, hoch und trocken. Kein Navigationsfehler – es ist das Marinemuseum.


 

2404 1600                                                                                       51°41,8´N 004°22,6´E

Es ist kalt. Aber es ist windig, Stärke 5 Bft. Und so rauschen wir auf Raumschotkurs mit 6 kn Richtung Nordosten, auf Den Helder zu. Aber Nebel, soweit das Auge reicht. Was naturgemäß nicht weit ist. Aber doch Stunden anhält. Da heißt es wieder richtig gut Ausschau halten. Denn die kleineren Schiffe haben kein AIS. Und auch die Schiffe der niederländischen Marine, die hier verstärkt zu erwarten sind, senden nicht immer ihr AIS-Signal. Manchmal hört man ein Schiff sonor vorbeituten. Ohne, dass wir es zu sehen kriegen. Ebenso wenig, wie die Windmühlen, die direkt neben uns sein sollten – oder sind die noch gar nicht gebaut?


 

2304 2200                                                                                       52°06,2´N 004°15,3´E

Weil der versprochene Wind ausbleibt, machen wir in Scheveningen fest. Der Hafen liegt mitten in der Stadt.


 

2304 1910                                                                                       52°005,5´N 004°00,5´E

Wir queren die Zufahrt „Maas Approach“ vor Hoek van Holland. Ganz dichter Schiffsverkehr – wie nicht anders zu erwarten. Ist dies doch die Zufahrt zum Hafen von Rotterdam, einer der verkehrsreichsten Häfen der Welt! Nach Freigabe über Funk durch „Maas Entry“ kommen wir auf der vorgeschriebenen Route jedoch ganz gut rüber, wobei sehr nah vor uns und später sehr nah hinter uns die dicken Pötte durchrauschen.


 

2304 1600                                                                                       50°31,2´N 003°05,6´E

Eigentlich ist es sonnig, doch verhängen Nebelfelder immer wieder die Sicht. So lauscht man denn aufmerksam, ob sich Schiffe nähern.

Ein Segen ist dabei die Einarbeitung der AIS (Automatic Information System)-Signale in den Plotter. Die Daten, die von Schiffen ausgesendet werden, beinhalten insbesondere auch die Geschwindigkeit und den Kurs. Diese Daten werden in die elektronische Seekarte („Plotter“), nach der wir fahren, eingerechnet. Alle Berufsschiffe ab 20 m Länge sind verpflichtet, diese Daten zu senden. Damit sind im Wesentlichen die „gefährlichen“ Schiffe in der Seekarte mit Kurs und Geschwindigkeit dargestellt.

Als sich der Nebel einmal lichtet, sehen wir querab einen großen Schiffsparkplatz. Da ankern so 15 bis 20 große Frachter, die zurzeit wegen schwacher Auftragslage nicht im Dienst sind. Die Generatoren der Schiffe sind auch aus 6 sm Entfernung gut zu hören.


 

2204 1900                                                                                       51°18,9´N 003°06,5´E

Ankunft in Blankenberge, Nachbarort von Zeebrügge. Den ganzen Tag hatten wir die belgische Küste neben uns, mit eigenartiger Bebauung: Von den Ortschaften sieht man von See aus nur die 10-geschossigen Wohnkästen, die am Strand entlang gebaut sind. Links und rechts davon unmittelbar wieder flache Sanddünen. Bis zum nächsten Ort: dann wieder die 10-Geschosser. Das Wetter ist inzwischen so wie die Nordsee: grau.


 

2204 1000                                                                                        51°05,0´N 002°20,2´E

Kulturschock: Dünkirchen zeigt sich industriell. Ganz anders, als alle Städte vorher und erst recht anders, als das Meer, von dem wir so viel sahen, ist Dünkirchen 12 sm entlang der Küste Industrie. Dampfend mit riesigen Wolken Kraftwerke, Rohre und Tanks und Cracker der chemischen und der ölverarbeitenden Industrie. Was für ein Unterschied!! Unterstrichen wird dies durch das Wasser selbst: Wir segeln jetzt in Nordseewasser, der Atlantik liegt klar hinter uns. Klar im doppelten Sinne: nicht nur weit entfernt, sondern kontrastierend zum sandigen und dadurch trüben und eigentlich immer grauen Nordseewasser.

Die Sonne scheint, der Wind belässt es bei 3 Bft., zum Glück jetzt wieder aus West.


 

2204 0200                                                                                       51°01,2´N 001°50,4´E

Calais liegt rechter Hand. Spannend, denn allerhand Fährverkehr von und nach Dover ist Querverkehr. Von links und von rechts kommen die dicken Brummer angerauscht. Das hält wach, auch zu vorgerückter Stunde. Ich schlafe diese Nacht eineinhalb Stunden.


 

2104 1100                                                                                       50°16,3´N 000°18,1´E

Neben uns fahren die großen Dampfer auf dem Weg nach Rotterdam, Southampton, Wilhelmshaven oder Hamburg. Hier beginnt der Dampferweg durch den Englischen Kanal. Riesige Containerschiffe, Autotransporter, die wie absurd große Schuhschachteln aussehen, auch Kreuzfahrer ziehen vorbei. Etwas weiter entfernt, das gleiche Bild, nur sind die Ziele der Schiffe andere, sie sind in der Gegenrichtung unterwegs.


2104 0700                                                                                       50°16,3´N 000°00,0´W

Der Nullmeridian. Ich weiß gar nicht, ob man korrekt 000°00,0 E oder W oder gar nichts schreibt.


 

2004 2155                                                                                       50°08,7´N 000°51,0´W

Wunderschöner Sonnenuntergang. Kugelrund, orange gefärbt bei glasklarem Himmel.


 

2004 1930                                                                                       50°00,0´N 000°54,2´W

Der 50. Breitengrad: so langsam wird es ernst mit dem Norden. Ich denke daran, welch großes Glück wir mit dem Golfstrom haben – die roaring fifties (südlicher Breite) sehen deutlich anders aus …


 

2004 1500                                                                                       49°44,3´N 001°06,3´W

Mann, ist das kalt! Und das, obwohl die Sonne scheint. Schon in der Nacht hatte ich ziemlich gefroren – und ich taue einfach nicht auf! Die Füße sind Eisklötze. Und ich laufe hier nicht halbnackt rum. Ich habe mir angezogen (in der Reihenfolge ihres Anziehens): eine Unterhose, ein Unterhemd, eine lange Unterhose, ein mitteldicker Pullover, ein Paar Strümpfe, noch ein Paar Strümpfe (dicke), eine Fleece-Jacke, einen Fleece-Pullover, eine Ölhose, eine Öljacke (gut gefüttert, Modell Alaska von BMS), Lederstiefeletten mit weicher Sohle (eigentlich Straßenschuhe, aber sie sind wärmer als das, was ich sonst mithabe), eine Wollmütze, Fäustlinge und zum Schluss die Schwimmweste. Ich fühle mich wie das Michelin-Männchen. Nur kühler.

Im Schiff haben wir 7°, im Wind, obwohl er immer noch leicht weht und das aus NO, gefühlte weniger. Überraschend ist das natürlich nicht! Denn links neben uns ist das Departement Pas de Calais. Du weißt schon: LE NOORD!!


 

 

2004 0520                                                                                       49°38,9´N 001°37,1´W

Wir legen früh ab. Eine lange Etappe liegt vor uns. Der Wind weht schwach und das, was er weht, weht er aus Nordost. Also kommt er genau aus der Richtung, in die wir fahren wollen: der Englische Kanal ist das Ziel. Um die Zeit, Dorette, wollte ich dich noch nicht anrufen, um zum Geburtstag zu gratulieren – einverstanden?


 

1904 2200                                                                                       49°38,9´N 001°37,1´W

Andreas ist abgereist, sein Urlaub ging zu Ende. Den Rest der Reise werden Peter und ich also zu zweit sein. Für durchsegelte Nächte bedeutet das schon etwas mehr Einsatz und etwas weniger Schlaf.


 

1904 1500                                                                                       49°38,9´N 001°37,1´W

Ankunft in Cherbourg. Ein riesiger Betonwall mit Wehr-Castellen schützt heute die Bucht vor dem Hafen vor Wellen. Währens des 2. Weltkriegs wurde er im Auftrag der Nazis gebaut, um sie selbst auch zu schützen … So ein Bauwerk hat eine gruselige Ausstrahlung.

Der Hafen dagegen ist bunt beflaggt, die Sonne scheint über einer Bootsausstellung.


 

1904 1100                                                                                       49°33,1´N 006°11,0´W

Wir passieren bei Sonnenschein und Wind von hinten Alderney. Viele Briefkästen blinken im Sonnenlicht ….

Meine Füße sind, wie die Luft, eiskalt. Schon die ganze Nacht. Ich wickle sie in eine dicke Jacke ein – nun tauen sie auf.


 

1904 0600                                                                                       49°26,3´N 002°51,2´W

Rechts ziehen die Lichter von Guernsey vorbei. Weiter schnelle Fahrt.


 

1904 0200                                                                                       49°12,9´N 003°31,5´W

Immer noch frischer Wind, fast 7 kn Fahrt im Durchschnitt in den letzten Stunden!

Das Sternenzelt ist über uns aufgespannt, eine Installation von Osram, hörte ich. Alles in allem ist es sehr geschmackvoll geraten. Etwas überdimensioniert vielleicht der Mond, der doch so manchen Stern mit seiner Leuchtkraft übertönt. Der Polarstern, für uns von so zentraler Bedeutung, wurde weit zurückhaltender in Szene gesetzt. Doch etwas proletarisch wirken die Flugzeuge mit ihrem Geblinke, das an die Weihnachtsdekoration mancher Stube in der Weihnachtszeit erinnert. Mystisch dagegen, wie sich manche Sterne plötzlich in Bewegung zu setzen und zügig fortzustreben scheinen. Der Schein trügt: es sind die Satelliten, die über uns vorüber ziehen.


 

1804 1330                                                                                       48°35,9´N 004°33,6´W

Wir legen ab! Aus den angekündigten 8 Windstärken sind nur 6, in Böen 7 geworden und so kann es losgehen.

Die Sonne scheint und wir kreuzen mit gerefftem Großsegel und Maschinenunterstützung aus der Bucht durch das grüne, klare Wasser an den schönen grauen und weißen Häusern, den Stränden und den Felsen vorbei.

Vor der Bucht haben sich gewaltige, steile Wellen aufgebaut, durch die wir etwas nass, aber doch gut durchkommen. Danach können wir die Fock setzen und rauschen mit schneller Fahrt Richtung Cherbourg.


 

1804 0900                                                                                       48°35,9´N 004°33,6´W

Wir haben verabredet, dass es heute ohne Terminplan in den Tag geht. Ich bin als erster aufgestanden und gehe ins örtliche Cafe, offenbar Treffpunkt der Leute, die den Tag mit Kaffee, Zeitung und Gespräch beginnen. Es gibt ausgezeichneten Kaffee hier und ich nehme dazu ein pain au chocolat. Und ich unterhalte mich lange mit einem Bretonen, der sich hier vor einem Monat ein Haus gekauft hat. Er stammt aus dem Ort, hat in der Welt als Computer-Mensch gearbeitet und ist nun als Rentner zurückgekehrt. Die Leute sind total nett hier. Wenn mein Gesprächspartner begrüßt wird, werde ich immer mit Handschlag begrüßt und es werden ein paar Worte gewechselt.

Und als die schöne Postbotin reinkommt, erzählt mir Richard, dass sie gestern an seiner Haustür war, weil er ein Einschreiben quittieren sollte. Er überlegt sich nun, sich selbst häufiger Einschreiben zu schicken … Und der Sitznachbar sagte leise: “Sie hat 5 Kinder!“. Wunderbares Dorfleben, ich muss immer wieder an den Film „Willkommen bei den Sch´tis“ denken und fühle mich sehr wohl hier.


 

1704 2230                                                                                       48°35,9´N 004°33,6´W

Geschafft! Die Biskaya liegt hinter uns. Wir sind heil und mit 60 Stunden Reise relativ schnell gewesen. So kommen in L´Aber Wrac´h, Finesterre, Bretagne, Frankreich, ziemlich müde, aber auch sehr entspannt an. Nach kleinem Imbiss zu Bett. P.S.: Übrigens schon das zweite Finesterre unserer Reise. Hat das was zu bedeuten?


 

1704 1700                                                                                       48°26,9´N 005°01,0´W

Frankreich in Sicht! Nördlich von Brest passieren wir die Ilet d`Ouessant an ihrer Ostseite. Der Flutstrom drückt uns mit 4,6 kn voran. So ist die Fahrt durchs Wasser bei 5 kn, Fahrt über Grund aber 10!


 

1704 1200                                                                                       47°53,4´N 005°28,3´W

Gerade erst habe ich das Ruder wieder aus der Hand gegeben. Um acht war ich noch total müde. Aber dann kam der richtige Wind! Und die Sonne war aufgegangen! Und die Wolken waren weg! Und wir flogen mit 7,8 kn im Schnitt stundenlang dahin – in der Spitze 11,4 kn! Und die Delphine waren wieder da, begleiteten uns lange.


 

1704 0600                                                                                       47°15,7´N 005°31,9´W

Ich bin dran mit Steuern. Ein Fischer kommt auf Kollisionskurs auf uns zu! Das ist vertrackt mit den Fischern. Wir hatten ihn über das AIS längst identifiziert und aufgrund seines Kurses und seiner Geschwindigkeit abgehakt. Aber dann ändern die manchmal völlig die Fahrt und so fischt er nun auf uns zu. Seine Lichter zeigen an, dass er manövrierbehindert ist und so ist es an uns auszuweichen. Der Fischer hatte uns aber auch wahrgenommen und beleuchtet unser Segel mit einem Scheinwerfer um so einschätzen zu können, ob wir wirklich weg sind und keine Gefahr mehr besteht.


 

1604 2330                                                                                       46°50,2´N 007°25,4´W

Leuchtplankton blinkt im Schaum des Wassers immer wieder auf. Als ob immer ein kleiner Sternenhimmel entsteht. Beim Pumpen im Klo entsteht der Effekt übrigens auch. Hübsch!


 

 

1604 1800                                                                                       46°49,2´N 006°12,8´W

Die zweite Nacht auf See steht an. Der ganze Tag war windig, der Atlantik hat die Farbe von Gletscherwasser, so ein grünliches Grau. Es ist ungemütlich. Die Delphine besuchen uns nicht, hocken wohl lieber vor dem Kamin. Weicheier!


 

 

1604 0600                                                                                       45°31,9´N 006°45,6´W

Inzwischen ist der Himmel ganz bedeckt, der Wind hat ordentlich zugelegt, es ist noch dunkel. Wir haben das Großsegel zweimal gerefft, die Fock ist ganz eingerollt.


 

1504 2330                                                                                       45°01,1´N 006°50,1´W

Die Nacht ist ruhig, Schleierwolken lassen die Sterne jedoch verschwinden. Weil der Wind genau von hinten kommt, müssen wir vor dem Wind kreuzen, um vernünftig Fahrt zu machen. Das bedeutet, wir fahren ein paar Stunden Kompass-Kurs 50°, halsen dann (oder, wie der unvergessene Heinz auf dem SKS-Törn immer sagte: „Arsch rum“), um dann mit Kurs 350° weiterzusegeln – unterm Strich sind das dann, nein, nicht 400°, sondern 20°. Und in dieser Richtung liegt unser Ziel!

Die Wassertiefe beträgt hier 4818 m.


 

1504 1800                                                                                       44°37,3´N 007°05,0´W

Wir beginnen unseren 2-Stunden-Rhythmus für die Nacht: 2 Stunden steuern, 2 Stunden Bereitschaft und Ausguck an Deck und zwei Stunden Ruhen. Zwei Mann sind so immer an Deck und einer schläft (bestenfalls, meistens ist es ein Dämmern …).

Delphine sagen kurz gute Nacht.


 

1504 1500                                                                                       44°18,0´N 007°19,3´W

Gerade erst haben wir die Maschine abgestellt. Der angekündigte Südwind war so schwach, dass Segeln nicht möglich war. Die Dünung hätte die Segel nur schlagen lassen. Dafür ist das Wetter prachtvoll und seit 1230 haben wir keine Landsicht mehr. Biskaya also und der Grund des Meeres liegt immer tiefer.


 

1504 0730                                                                                       43°40,9´N 007°36,2´W

Es geht los! Die Tanks sind gefüllt, zu Essen haben wir auch und so verlassen wir den Hafen und nehmen Kurs 20°, Kurs Bretagne!


 

1404 2100                                                                                       43°40,9´N 007°36,2´W

In der Bar am Hafen mit WiFi studieren wir die Wetterkarten und beschließen, morgen auszulaufen und den Sprung über die Biskaya zu wagen. Im Fernsehen ist zu sehen, wie Real Madrid in einem Ligaspiel gegen Athletico Bilbao 3:0 gewinnt. Ich bin aber nicht sicher, ob das wichtig ist


 

1404 1900                                                                                       43°40,9´N 007°36,2´W

Ankunft in Vivero. Die Landschaft wirkt wieder sehr nordisch.


 

1404 1400                                                                                       43°48,1´N 007°52,0´W

Plötzlich kühlt es kräftig ab, der Wind kommt nördlicher und frisch auf. Zugleich legt sich eine Wolke auf die nahe Steilküste und bedeckt sie, gleich einer Tischdecke, bis zur halben Höhe. Wir vergrößern den Sicherheitsabstand zu den nadelspitzen, vorgelagerten Felsen und reffen die Segel.


 

1404 0700                                                                                       43°22,0´N 008°23,7´W

Die Vorhersage für die Biskaya ist immer noch zweifelhaft und so entschließen wir uns, nach Vivero zu segeln. Das ist 60 sm entfernt und die Querung der Biskaya ist von da 30 sm kürzer. Außerdem ist wieder wunderbares Segelwetter – wir legen also ab!


 

1304 2200                                                                                       43°22,0´N 008°23,7´W

Viel schöner ist es geworden, der Himmel blau, der Wind hat abgenommen und auch die Aussichten für die nächsten Tage sind deutlicher günstiger, aber für die Biskaya immer noch unsicher. So entscheiden wir uns – schweren Herzens – doch noch zu bleiben. Das riesige Tiefdruckgebiet westlich von Irland ist ganz wesentlich für unser Wetter. Und wenn es sich um 50 Meilen gegenüber der Vorhersage der Meteorologen verschiebt, sind wir wieder mittendrin im Starkwind.

So wird es ein schöner Stadttag. Der Seehafen liegt mitten in der Stadt. Das wäre so, als ob in Hamburg die große Dampfer am Jungferstieg anlegen würden. Eine besondere Atmosphäre ist das. Dazu viele Stadthäuser mit viel Glas, z.T. im Jugendstil, z.T. bauhausig gerade: wunderbar.


 

1204 2200                                                                                       43°22,0´N 008°23,7´W

Der Himmel ist grau, der Wind weht heftig und die Vorhersage für die Biskaya ist alles andere als gut. Wind bis Stärke 9 Bft. lässt die Entscheidung leicht fallen, einen weiteren Tag in La Coruna zu bleiben. Der Schlag über die Biskaya wird ca. 3 Tage dauern – da gilt es, mit den Kräften sparsam zu sein. Ein fauler Tag mit viel Lesen, Wäsche waschen und trödeln.


 

1104 2300                                                                                       43°22,0´N 008°23,7´W

Nach dem Rennsegeltag tanken wir noch, um jederzeit startklar für den Beginn der Biskaya-Überquerung zu sein und machen dann fest in der Marina Coruna. Wir gehen noch in die nahe Altstadt, die es einem bei der Fülle der Tapasbars und kleinen Restaurants wirklich schwermacht, sich zu entscheiden, wo man reingeht. Manchmal hängen eine Million Schinken von der Decke, manchmal sind Aquarien mit bizarrem Meeresgetier im Schaufenster oder im Laden zu sehen. Überall sind viele Leute unterwegs, reden und genießen. Schöne Atmosphäre.


 

1104 1700                                                                                       43°23,7´N 008°24,0´W

Einfahrt nach La Coruna. Wir passieren den ältesten Leuchtturm der Welt, den Torre de Hercules. Die Römer hatten hier schon ein Leuchtfeuer installiert. Seitdem stand an dieser Stelle immer ein Feuer, das die Einfahrt in die Bucht von La Coruna markiert.

Wir kommen vorbei an großen Kunstobjekten in einem Park, darunter die Darstellung einer Jakobsmuschel: Hinweis auf die Pilger, die von hier aus den Jakobsweg begehen.

Dann rechts um die Ecke und vor uns liegen der Hafen und das Stadtzentrum, am großen Wellenbrecher steht das markante Gebäude des Maritime Rescue Co-Ordination Centre.


 

1104 1500                                                                                       43°23,9´N 008°37,1´W

Frischer Wind aus Südwest schiebt uns mit Höchstgeschwindigkeit Richtung Osten auf La Coruna zu. In der Spitze erreichen wir bergab, auf der Vorderseite der Wellen, 12,2 kn! Das Mittel über eine ganze Stunde gemessen: 7,92 kn! Das ist richtig viel für ein Schiff dieser Größe. Dazu Sonnenschein, klare Sicht. Perfektes Segelwetter.




 

1104 1000                                                                                       43°07,0´N 009°11,3´W

Der Wind hat kräftig nachgelassen und der Regen ist nur noch ein schwaches Nieseln. Und auch das nur in Schauern. Der Wetterbericht sagt weitere Wetterbesserung voraus. So legen wir entspannt ab.


 

1004 2300                                                                                       43°07,0´N 009°11,3´W

„Isch guet gsie ?“ fragte Paolo, als wir den Fisch verspeist hatten. Ich hatte uns mittags angekündigt und er hat uns Fisch nach seiner Wahl zubereitet: Pinto, ein regionaler Fisch, zubereitet nach galizischem Rezept. Dazu Salat, Brot, Weiswein. Mann, war das gut. Wir sind satt und müde. Und so sehen wir etwas tranig beim Champions-League-Spiel Barcelona gegen Paris St. Germain zu. Paolo spendiert noch zwei Schnäpse. Zum Glück ist das Spiel spannend, sonst würden wir am Tisch einschlafen …

Und draußen tobt weiter der Sturm.


 

1004 1500                                                                                       43°07,0´N 009°11,3´W

Es ist weiter stürmisch und der Regen hat eher noch zugenommen. Ich gehe zu Paolo in die Hafenrestauration, wo es schon hoch her geht. Na ja, fünf Leute sind da. Die aber in viele gleichzeitige Gespräche vertieft.

… und dann war da noch der alte Seemann. José. Mit ihm spreche ich drei Stunden über Gott und die Welt. Über die Finanzkrise und über Jürgen. Jürgen der hier im Hafen zweieinhalb Jahre blieb. Der nur ein Bein hatte. Und der („with one leg!“) die Welt zweimal mit seinem Schiff umrundet hat. Und der hier im Hafen allen half, wenn es etwas zu reparieren gab und dafür nichts wollte. Und der irgendwann sagte, dass er jetzt zurück nach Deutschland segeln würde um da zu sterben. Zum Abschied gab es ein großes Fest mit viel Bier und noch mehr Brandy. Und José hatte Tränen in den Augen, als er das erzählte.


 

1004 1200                                                                                       43°07,0´N 009°11,3´W

Das Wetter unverändert. Der Ort wirkt fast winterlich. Jedenfalls steht alles still – vom Wetter abgesehen.

Der Engländer, der hier mit seiner „Roamer“ überwintert, kommt kurz raus, zum Kontrollgang. Das Boot ist aus Stahl. Schwarz, etwas rostig, hat zwei Masten und ein Dschunkenrigg – also Segel, Masten und Bäume wie eine chinesische Dschunke. Er sagt „she“, wenn er über das Schiff spricht – so tun es Engländer eben. Aber bei diesem Boot wirkt es doch merkwürdig. Die Weiblichkeit ist hier nicht offenbar…

Er hat sich das Schiff vor dreißig Jahren bauen lassen, als er von den Ölplattformen in der Nordsee abgemustert hat. Seitdem ist er unterwegs auf den Weltmeeren. Im Mai will er rüber zu den Azoren. „Da muss das Schiff mal wieder Farbe kriegen“, sagt er.


 

1004 0800                                                                                       43°07,0´N 009°11,3´W

Es bläst stürmisch und es regnet wie verrückt. Windstärke 8, in Böen 10 werden gemeldet. Zuviel um auszulaufen.


 

0904 2200                                                                                       43°07,0´N 009°11,3´W

„Vür Euro Sachchzg“ sagt Paolo, als wir den Absacker in der Hafenbar bezahlen wollen. Er war 20 Jahre in Basel, bevor er vor zehn Jahren wieder zurückgekehrt ist nach Camarinas.


 

0904 1900                                                                                       43°07,0´N 009°11,3´W

Nach einem schönen Segeltag kommen wir in Camarinas an, gut 500 sm seit Portimao sind wir unterwegs. Die Sonne ist inzwischen hinter Wolken verschwunden, der Wind zunehmend. Der Ort noch im Winterschlaf.


 

0904 1500                                                                                       42°53,1´N 009°19,4´W

Unter Fock und zweifach gerefftem Großsegel erreichen wir das Kap Finisterre, so etwa der westlichste Punkt Europas. Sagen die Einen. Die Iren sind da ganz anderer Auffassung! Sicher ist: es sieht tatsächlich nach dem Ende der Welt aus. Sehr rau, die ankommenden Wellen werden zu hohen Fontänen zerlegt. Ganz oben der Leuchtturm, das Feuer 141 m über dem Meeresspiegel. Das nun tiefblaue Wasser wogt hoch. Wellen aus Nord mischen sich mit Wellen aus West. Wir biegen ab nach Norden.


 

0904 1200                                                                                       42°45,9´N 008°56,9´W

Der Wind ist ruhiger geworden, so 6 Bft. Er kommt aus Südwest und so müssen wir die Bucht gegen den Wind verlassen. Wir kreuzen mit Fock und Motorunterstützung, bis wir Kurs 320° auf das Kap Finisterre halten können. Das Wetter bessert sich.


 



0804 2200                                                                                       42°45.9´N 008°56,9´W

Wir haben leckere Sachen im Supermarkt eingekauft und machen Tappas-Abendbrot.

Zeitweise weht es jetzt mit 10 Bft., Regen fliegt waagerecht vorbei. Die Möwen haben auf der Mole geparkt. Der Wind heult und drückt das Schiff immer wieder auf die Seite. Heute möchte ich nicht Fender sein …


 

0804 1700                                                                                       42°45.9´N 008°56,9´W

Zunächst Schauerwetter und später sogar Sonnenschein, der Wind frisch aus West, Welle so 3 m: schönes Segeln. Wir sind geneigt, das Cap Finisterre doch zu nehmen, bleiben aber vernünftig. Schon in der letzten Stunde hat der Wind immer mehr aufgefrischt. In die Prai de Muros laufen wir auf Vorwindkurs nur mit der Fock gut 6,5 kn. Delphine geben neben uns die Synchronschwimmer-Nummer.

Wir sehen uns zuerst den Hafen von Muros an, entscheiden uns wegen der Infrastruktur aber für Portosin. Nur mit der Fock schießen wir jetzt bei Böen Stärke 8 Bft. über den Sund. Beim Anlegen schafft es die Maschine gerade so eben gegen den Wind, so dass wir ganz außen an den Boxen anlegen – rangieren ist in dem engen Hafen zu unsicher.


 

0804 0800                                                                                       42°13,5´N 008°53,7´W

Wir stehen schon um 0515 auf, um beim gemeinsamen Kaffee den Wetterbericht aufzunehmen, um zu entscheiden, wie es weitergeht. Da für den Abend für Finesterre 8 Bft, Böen 10 angesagt sind, beschließen wir bei Dämmerung loszufahren und heute nicht das Cap Finisterrre zu passieren. Wir wollen in der letzten großen Bucht davor nach rechts abbiegen.


 

0704 2030                                                                                       42°13,5´N 008°53,7´W

Wir ankern an der nördlichen der Islas Cies or de Baiona. Nach dem Anleger-Bier (die anderen) bzw. –Wein (ich) gibt es Abendbrot und einen fantastischen Blick auf Baiona, gelegen am Eingang der Prai da Vigo gelegen. Nach der Planung des nächsten Tages (ein Sturmtief kommt auf Cap Finisterre zu) gehen wir in unsere Kojen, da wir früh raus müssen.


 

0704 1330                                                                                       41°54,3´N 009°11,5´W

Plötzlich neues Wetter. Fast windstill, 3m Welle. Blöd. Es schaukelt wie verrückt. Wir starten die Maschine und fahren Richtung Baiona. In Spanien. Wir haben die portugiesischen Gewässer verlassen und sehen die hohe Küste Spaniens vor uns.


 

0704 1300                                                                                       41°53,3´N 009°12,5´W

Jetzt haben wir 6Bft., in Böen 7Bft., weiter aus Süd, etwas zu Ost. Das Schiff rennt. Die See hat sich sehr schnell aufgebaut, so dass wir bei der Talfahrt surfend 10 kn erreichen. Die Rumpfgeschwindigkeit müsste bei so 7 kn liegen. Am besten geht es mit zweifach gerefftem Großsegel und zu einem Drittel ausgerollter Fock. Eine weiße Taube landet erschöpft auf dem Deck und fährt eine Weile mit, kommt wieder zu Kräften.


 

0704 0645                                                                                       41°22,0´N 008°55,1´W

Die Maschine läuft seit 0130. So langsam stellt sich wieder Wind ein, Diesmal aus Süd. Das ist gut, zumal er immer mehr zunimmt.


 

0704 0100                                                                                       40°53,6´N 008°44,8´W

Ich gehe müde in die Koje. Der Wind hat weiter abgenommen – die Maschine muss wohl bald angeworfen werden. Weiter nördlicher Wind.


 

0604 2200                                                                                       40°42,8´N 008°52,5´W

Wir passieren Ria de Aveiro. Viel Licht in der Dunkelheit. Oder ist es die Haut, die von so viel Sonne glüht? Sie fühlt sich jedenfalls so an (trotz Sonnencreme, an alle Hobby- und Profihautärzte!). Ein großes Feuerwerk ist zu sehen – lautlos aus der Entfernung. Wahrscheinlich für uns, die vermutlich als einzige Menschen der neueren Geschichte Figueira da Foz tatsächlich verlassen konnten … Es geht weiter in die Nacht hinein. Schließlich haben wir ja ein bisschen aufzuholen!


 

0604 0930                                                                                       40°08,5´N 008°52,0´W

Wir verlassen tatsächlich Figueira da Foz!! Herrlicher Sonnenschein, fast wolkenloser Himmel, glitzerndes Wasser und auch die Wellen sind handsome. Einziger Wermutstropfen: Wir haben Nordwind. So fahren wir 60 sm, statt 40sm auf direkter Linie, um Ria de Aveiro zu erreichen. Unterwegs werden wir kurz von einem Delphin begleitet. Leider dreht er schnell wieder ab. Vermutlich hat er zu tun. Keine Zeit, mit Schiffen zu spielen. Dann noch ein paar Rückenflossen von größeren Fischen.


 

0504 1430                                                                                       40°08,5´N 008°52,0´W

Wir sind wieder drin. Es ist zwar fantastisches Wetter, Sonne, kaum Wolken, Windstärke 6 Bft., Böen bis 8 Bft. – aber voll gegenan. Nordwind. Da schaffen wir vielleicht 2 sm/Stunde Raumgewinn nach Norden. Da Porto ca. 60 sm entfernt ist, müssten wir die Nacht durchsegeln. Nicht gut, bei dem Wind und der Welle. Vielleicht fahren wir heute Abend noch los, sonst eben morgen …


 

0504 1200                                                                                       40°08,5´N 008°52,0´W

Wir laufen aus! Endlich!


 

 

0404 2300                                                                                       40°08,5´N 008°52,0´W

Lange mit den Seglern aus England zusammengesessen, Bier (die) und Wein (ich) getrunken und viele Geschichten gehört und erzählt. Sehr lustig!


 

0304 1800                                                                                       40°08,5´N 008°52,0´W

Stillstand.


 

0204 2300                                                                                       40°08,5´N 008°52,0´W

Weiter sind beide Bälle hochgezogen, den ganzen Tag über. Durchfahrt für Schiffe unter 35 m verboten. Wir bleiben doch gerne….

Beim Abendessen habe ich viel englisch gesprochen: am Tisch links ein älteres Paar, das mit seinem Schiff hier schon länger liegt. Etwas runtergekommen der Kahn. Sie sind auf einer Reise hier hängengeblieben, liegen hier seit Jahren fest (großer Gott, ist das hier ein verzauberter Ort ? Gibt es Figueira da Foz überhaupt ? Sind wir in Bielefeld ?). Die Engländer reparieren das Schiff von Grund auf, um dann zu entscheiden, ob sie verkaufen oder weiterfahren. Sehr nette, interessante Leute jedenfalls.

Am Tisch rechts ebenfalls Engländer. Zwei Männer, die trotz des Durchfahrtsverbots ohne Not in den Hafen eingefahren sind. Das erweist sich als nicht ganz billig: 2.200€ Strafe kostet das. Und dazu sind sie noch in ein Fischernetz gefahren, das quer zur Einfahrt ausgelegt war. Morgen muss das Schiff erstmal aus dem Wasser, damit die Reste des Netzes von der Schraube gepult werden können.


 

0204 1200                                                                                       40°08,5´N 008°52,0´W

Immer noch. Wetter ist weiter sonnig, fast sommerlich.


 

0104 2000                                                                                       40°08,5´N 008°52,0´W

Nun ist auch die Durchfahrt für Schiffe unter 35 m Länge verboten.


 

0104 1600                                                                                       40°08,5´N 008°52,0´W

Entscheidung: Schiffe über 11 m Länge dürfen auslaufen. Toll, wir haben 34 Füße, also 10,5 m. Die Verhandlung mit dem Kommandanten ist freundlich, aber bleibt erfolglos: Kein Weg, 34 Fuß sind zu wenig. Wir bleiben. Schlimmer ist noch, dass nach seiner Einschätzung die Welle bis mindestens Freitag unverändert bleiben wird … Die Italiener mit ihrem 48-Fuß-Katamaran laufen glücklich aus. Wir winken.


 

0104 1200                                                                                       40°08,5´N 008°52,0´W

Heute Vormittag gilt das Verbot weiter, aber für 1400 ist eine neue Entscheidung vom Hafenkommandanten angekündigt. Das Wetter ist bestens, Sonne, schöner Segelwind aus der richtigen Richtung …


 

3103 2300                                                                                       40°08,5´N 008°52,0´W

Fröhliche Ostern ! Getrübt ist die Freude, weil das Auslaufen weiter verboten ist. Dafür ist Zeit, den Hotspot der Skipper-Bar zu nutzen. Viele schöne Mails zu lesen, selber zu schreiben und so bei viel gutem Kaffee (der portugiesische ist ein kräftiger Espresso). Abends war ich wieder wunderbar Fisch essen, gegrillter Seebarsch. Total frisch, ganz einfach, und so lecker.


 

3003 1900                                                                                       40°08,5´N 008°52,0´W

Ankunft in Figueira da Foz. Wir laufen bei Ebbstrom ein. Je näher wir der Hafenmole kommen, desto höher baut sich der Schwell auf. Der Strom läuft mit rund 3 kn gegenan. Unterstützt von der Fock machen wir gerade noch so 1,5 kn Fahrt. Weniger, wenn es bergauf geht, deutlich mehr bergab … Blöd ist, dass die Wellen mit dem flacher werdenden Wasser immer steiler und höher werden. Am Ende sind es recht steile 6 m Höhe. Und die linke Hälfte der 350 m breiten Einfahrt kann nicht befahren werden, weil hier die Wellen schon brechen und rauschend 50 m neben uns herlaufen! Blöd ist auch, dass die durchlaufenden Wellen immer wieder lange die Molen der Einfahrt verdecken, so dass immer nur kurz gepeilt werden kann, ob wir noch gut im Kurs liegen. Unangenehm, hier einzulaufen. Wir hätten vorbeifahren sollen. Denn der Hafen ist wegen des Schwells gesperrt. Kein Schiff unter 25 m Länge darf auslaufen.

Andreas und ich haben noch ein tolles Fischrestaurant aufgetan, das uns mit einen wunderbaren Fischsuppe versorgte.


 

3003 1500                                                                                       39°43,0´N 009°13,0´W

Alles unverändert: Sonne scheint, Welle wellt und Wind döst. 20 Meilen vor unserem Ziel schmeißen wir die Maschine wieder an, damit wir am Abend – morgen ist Ostersonntag – noch einkaufen können.

 


3003 0630                                                                                       39°43,0´N 009°13,0´W

Die Sonne scheint prächtig, der Wind ist jedoch schwach, so 1-2 Bft. aus SW und das bei unverändert großer Welle. 4, manchmal 5 m. Rauf, kurz oben sein, Schiff neigt sich nach Luv, die Segel füllen sich mit einem Schlag, runter, kurz unten sein, das Schiff neigt sich nach Lee, Segel haben keinen Druck, rauf, kurz oben sein, die Segel füllen sich mit einem Schlag ….


 

2903 2330                                                                                       39°06,0´N 009°30,0´W

Ich wecke Andreas und ich gehe in die Koje. Ich schlafe sofort fest ein. Und wache erst auf, als es schon längst wieder hell ist … Weil es so gut lief, haben Peter und Andreas Peniche rechts liegen lassen. Neues Ziel ist Figueira da Foz.


 

2903 1930                                                                                       38°47,0´N 009°32,0´W

Der Wind lässt nach. Jetzt noch so 3-4 Bft, weiter aus SW. Die Segel sind ausgerefft. Wir fahren unter dem Cabo da Roca durch. Ganz hoch oben auf einem Felsen steht der Leuchtturm, das Feuer ist auf 164 m Höhe.

Andreas ist schon mal ins Bett gegangen, Vorbereitung auf die Nachtfahrt. Wir schätzen die Ankunft in Peniche auf ca. 0200 bis 0300.


 

2903 1700                                                                                       38°35,0´N 009°30,0´W

Wir passieren Lissabon. Die Wellen sind inzwischen hoch geworden, so 4 m, einzelne mit 5 m. Auf der Reede vor Cascais liegen große Schiffe und warten auf Einfahrt, andere fahren auf Westkurs raus: wir beobachten genau, was sich so tut, damit wir hier keinen Tanker zu größeren Manövern zwingen … Es läuft gut und wir beschließen, weiterzufahren, mindestens bis Peniche. Leider ist mein Fotoapparat kaputt gegangen.


 

2903 1000                                                                                       37°57,0´N 008°52,1´W

Wir nehmen den Anker auf und verlassen die Bucht von Sines gegen beachtlichen Schwell und 5 Bft. Wind. Der Himmel ist ungemütlich grau. Aber die Windrichtung ist günstig für unsere Reise und so setzen wir nach einer halben Stunde Motorfahrt Segel. Die Böen erreichen 6 Bft. Und so fahren wir mit 2-fachem Reff im Großsegel und leicht eingedrehter Fock auf Raumschotkurs nach Norden.


 

2803 2300                                                                                       37°57,0´N 008°52,1´W

Wir haben Sines erreicht und ankern in der kleinen Bucht vor der Einfahrt zum Yachthafen. Unsere Strecke heute waren 87 Meilen. Nicht schlecht für den Anfang.


 

2803 1900                                                                                       37°37,2´N 008°54,0´W

Die Sonne ist untergegangen, der SW-Wind, jetzt 4 Bft., ist uns treu. Lichter von Orten an der Küste sind zu sehen. Zumeist die orangefarbenen Straßenlaternen. Unser Kurs ist weiter N.


 

2803 1200                                                                                       37°00,0´N 009°02,0´W

Wir passieren die Südwestecke der iberischen Halbinsel und damit Europas. Ich bin das dritte Mal hier: als junger Interrailer auf dem Landweg, dann, vor 20 Jahren – mein Gott, ist das lange her – überflog ich sie auf dem Rückweg von einer Brasilienreise und nun per Schiff.

Inzwischen erreichen uns die größeren Wellen, da wir nicht mehr in der Abdeckung sind und heben uns zwei Meter an, um uns dann wieder hinabzulassen, zwischen die Wellen, die manchmal den Horizont verbergen. Und sie brechen mit ganz großem Kino gegen die hohe Wand des Kaps. Und ganz oben, als kleine Strichlein, stehen Angler und versuchen, Fische dazu zu überreden, die 52 m lange Reise vom Wasser durch die Luft in den Angler-Eimer anzutreten. Muss wohl öfter gelingen, denn es sind bestimmt 20 Angler zugange.

Der Wind hat inzwischen auf SW gedreht und etwas zugenommen. Als wir nach N abbiegen können, setzen wir Segel und können endlich die Maschine abstellen. Mit 4-5 kn Fahrt geht es nun nordwärts an der einsamen Steilküste entlang.


 

2803 0530                                                                                       37°06,5´N 008°31,7´W

Abgelegt in Portimao bei Logge-Stand 10633. Sanfter WSW bei viel Wolken zwingt uns bei langer Dünung zu langer Motorfahrt. Die 22 Meilen zum Cabo de Sao Vicente legen wir so mit Motorkraft zurück. So nach und nach bessert sich das Wetter, so dass wir immer mehr blauen Himmel zu sehen kriegen.




Start am 27.03.2013

Am 27.03.20136 geht es los: Mittags fliege ich ab Tegel nach Faro, von dort mit dem Bus nach Portimao, Algarve. Dort liegt die Hanse und freut sich auf ein bißchen Bewegung ...

Anschrift

Segel-Coach

Inh. Christoph Jörß

 

Hochlandstr. 62
12589 Berlin

Telefon: 030 643 99 896

             0157 876 36 867

Service

Nützliche Links:

 

Wind und Wetter

 

Webcam Müggelsee